Innovative Landtechnik spart bis zu 40 Prozent Diesel

Die europäische Landtechnikindustrie kann in Sachen Klimaschutz messbare Erfolge vorweisen.

  • Großangelegtes Forschungsprojekt erbringt Effizienznachweis für intelligente Prozesslösungen
  • Industrie übernimmt Verantwortung trotz sehr geringen Emissionsanteils
  • Politik muss die richtigen Anreize setzen
  • Fernziel Klimaneutralität im Fokus

 

Hannover, 11. November 2019 – Die europäische Landtechnikindustrie kann in Sachen Klimaschutz messbare Erfolge vorweisen. „Wenn es um Kohlendioxid, Stickoxide und Feinstaub geht, kommt niemand an unseren umweltfreundlichen Effizienzlösungen vorbei“, sagt VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer.

 

Landtechnik – tut viel für den Klimaschutz, emittiert wenig CO2

Die Landtechnikhersteller präsentieren auf der diesjährigen Branchenleitmesse Agritechnica ein Technikportfolio zur Kraftstoffreduktion, das keinen Vergleich scheuen muss. Dabei gehört die Industrie keinesfalls zu den großen CO2-Emittenten. „Landmaschinen und Traktoren haben hierzulande einen Anteil von gerade einmal 0,7 Prozent an den CO2-Gesamtemissionen. Dennoch sehen wir uns klar in der Verantwortung, einen qualifizierten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Denn darin liegt die Zukunft“, erläutert Scherer.


Traktoren – 50 Prozent der Lebenszykluskosten fürs Tanken

Mit der Kraftstoff-Frage befasst sich die Landtechnikindustrie schon lange. Bereits seit Beginn der 1990er Jahre, zu einer Zeit, in der ein solches Engagement noch kaum öffentliche Resonanz versprach, steht Kraftstoffeffizienz ganz oben im Lastenheft der Entwicklungsingenieure. Das hat auch wirtschaftliche Gründe. Schließlich macht der Kraftstoffverbrauch gut 50 Prozent der Lebenszykluskosten eines Traktors aus. In der Motoren- und Maschinenentwicklung hat sich in den vergangenen Jahren allerdings ein Paradigmenwechsel vollzogen.

Aus physikalischer Sicht hat die Branche an vielen Stellen bereits das Maximum dessen erreicht, was die Motorenoptimierung hergibt. Die Zukunft der Kraftstoffeffizienz wird daher in der Gesamtmaschinenoptimierung und vor allem im Prozess gesehen.

 

Innovative Landtechnik – mehr Ertrag, weniger CO2

In einem großangelegten, vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt zur „Kraftstoffeffizienz in der Agrartechnik“ ist es einem hochkarätigen Konsortium aus Industrie, Wissenschaft und Verbänden gelungen, herstellerübergreifend nachzuweisen, dass innovative Maschinen, intelligente Prozess-Steuerung und moderne Bedienkonzepte ertragsbezogen mit einer deutlich geringeren Dieselmenge auskommen als herkömmliche Verfahren.

 

„Die Früchte unserer Effizienzstrategie sind jetzt erntereif. Unterm Strich sprechen wir entlang der landwirtschaftlichen Produktionskette, relativ zum Ertrag gesehen, von einer deutlich abfallenden CO2-Kurve“, sagt Dr. Eberhard Nacke, Vorsitzender des Projektkonsortiums. Kombinierte Arbeitsprozesse, Digitalisierung, Leichtbau und exaktes Motormanagement sorgen für Kraftstoffeinsparungen in einer Größenordnung zwischen 35 und 40 Prozent.

Komplexe Computersimulationen, Modellrechnungen und empirisch erhobene Datensätze weisen diese Spannbreite als praxisnah aus. Referenzpunkte sind rückblickend das Jahr 1990, vorausschauend das Jahr 2030. Damit bewegt sich die Landtechnikindustrie auf einem Effizienzpfad, der den ambitionierten klimapolitischen Vorgaben in Europa gerecht wird.

 

Alternative Kraftstoffe – auf dem Weg zur Klimaneutralität

Alternative Kraftstoffe und Antriebe, Fahrerassistenzsysteme und intelligente Formen des Maschinen- und Datenmanagements sind darüber hinaus aktuelle Entwicklungsfelder und Potentialträger, um die landtechnische CO2-Bilanz weiter zu optimieren. „Wenn man sich all das vor Augen führt, was momentan in der Pipeline ist, haben wir allen Grund, optimistisch nach vorne zu blicken. Denn so viel ist sicher: Die Landtechnikbranche gehört zu den entscheidenden Enablern der klimaneutralen Landwirtschaft von morgen“, sagt Eberhard Nacke.

 

Investitionsanreize – für klimafreundliche Landmaschinen und Traktoren

Damit das große Portfolio intelligenter Technik- und Prozessideen möglichst bald die notwendige Marktdurchdringung erreicht, hält der VDMA flankierende politische Maßnahmen auf EU-Ebene für unverzichtbar: „Anreizeffekte gehören zu den erprobten Instrumenten, um umweltschonende Technologien marktfähig zu machen. Wir brauchen jetzt vor allem Investitionsanreize für klimafreundliche Landmaschinen und Traktoren, eine konsequente CO2-Bepreisung, um die Attraktivität von Innovationen zu steigern und Technologieoffenheit, damit sich die besten Ideen im Wettbewerb durchsetzen können“, resümiert Scherer.

 

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt und zu den politischen Forderungen bietet die Broschüre „Mehr Ertrag, weniger CO2 – Diesel sparen mit innovativer Landtechnik“, die unter lt.vdma.org abrufbar ist.

 

Haben Sie noch Fragen? Christoph Götz, Telefon 069 6603 1891, christoph.goetz@vdma.org, beantwortet sie gerne.

 

Im VDMA-Fachverband Landtechnik sind 170 Hersteller innovativer Landmaschinen, Traktoren und Softwaresysteme organisiert. Mit einem Umsatzvolumen von 8,6 Milliarden Euro (2018) und rund 30.000 Beschäftigten in Deutschland gehört die Landtechnikindustrie zu den führenden Branchen des Maschinen- und Anlagenbaus.

Der VDMA vertritt mehr als 3.200 Unternehmen des mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbaus. Mit gut 1,3 Millionen Erwerbstätigen im Inland und einem Umsatz von 232 Milliarden Euro (2018) ist die Branche größter industrieller Arbeitgeber und einer der führenden deutschen Industriezweige insgesamt.

 

Mehr Ertrag, weniger CO²

Pressemitteilung EKoTech