VDMA: 5G auf dem Acker schon heute möglich

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„Politik und Provider müssen jetzt liefern“

Dass der 5G-Mobilfunkstandard bislang noch nicht in der Praxis angekommen ist, hat offenbar kaum technische Gründe. „Zumindest, was den ländlichen Raum betrifft, liegen alle sinnvollen Technik-optionen längst auf dem Tisch. Politik und Provider müssen jetzt nur noch liefern“, sagt Dr. Bernd Scherer, Geschäftsführer des VDMA Landtechnik.

Gigabitfähige Netzinfrastrukturen, die für das Digital Farming dringend benötigt werden, müssten im Sinne der Landwirtschaft „zügig und flächendeckend“ zur Verfügung gestellt werden. „Ohne Masterplan wird das nicht funktionieren, aber auch nicht ohne Pragmatik“, betont Scherer.

Open Access-Modell beschleunigt den Ausbau

Um den bisher eher trägen Breitband-Rollout effektiv zu beschleunigen, setzt der Branchenverband auf ein Open Access-Modell, das den Netzbetrieb vom Servicegeschäft entkoppelt. Dabei müsse man sich allerdings von der utopischen Vorstellung verabschieden, den Netzausbau im ländlichen Raum mehrfach redundant auszulegen.

„Eine Einfachabdeckung ist realistischer und vor allem besser als gar keine. Der gegenseitige Zugriff der Provider auf die physische Infrastruktur der Wettbewerber lässt sich problemlos vertragsrechtlich regeln“, erläutert Dr. Hermann Buitkamp, Digitalexperte des VDMA Landtechnik. Frequenzauktionen, die faktisch nur Großkonzernen der Mobilfunkindustrie eine reelle Chance eröffneten, seien weder wünschenswert noch effektiv. „Unser Anspruch ist: schnelles Internet, jederzeit und überall“, sagt Buitkamp.

Damit auf der digitalen Landkarte am Ende keine weißen Flecken übrigbleiben, verlangt die Landtechnikindustrie eine „konvergente Netzplanung, die sich zwar am soziodemographischen Bedarf orientiert, jedoch keine Region offline zurücklässt“.


Fernsehfrequenzen fürs Farming 4.0

Eine wirtschaftlich tragfähige Infrastruktur wird sich allerdings nicht allein auf Glasfaser- und Mobilfunknetze verlassen können. Unter Fachleuten ist es unstrittig, dass sich die hohe Frequenz-Reichweite des in Deutschland kaum genutzten digitalen Antennenfernsehens DVB-T hervorragend zur digitalen Erschließung ländlicher Gebiete eignet. Würden die bisher für das Fernsehen genutzten Frequenzen frei, stünde eine enorme Bandbreite zur Verfügung, die dem ländlichen Raum spürbar zugutekäme.

Eine weitere, ausgesprochen kosteneffiziente Lösung, die erst kürzlich wieder ins Spiel gebracht wurde, bedient sich des Richtfunks. Dabei werden Frequenzen von Mobilfunkbasisstationen über Richtfunk-Antennen in bislang unversorgte Gebiete abgestrahlt. „Daten können mit diesem Verfahren mühelos 20 Kilometer weit übertragen werden“, sagt VDMA-Digitalexperte Hermann Buitkamp.

Sauber definierte Ausbauauflagen erforderlich

„Technisch ist die Sache klar. Was jetzt noch fehlt, ist ein deutliches und vor allem zeitnahes politisches Ja zur konkreten Umsetzung“, resümiert Dr. Scherer. Die Frequenzvergabe der Bundesnetzagentur, die im kommenden Jahr ansteht, müsse mit „sauber definierten Ausbauauflagen“ verbunden sein, um einen „Anschluss ohne Abstriche“ zu gewährleisten.

Im intensiven Dialog mit den zuständigen Bundesministerien hat sich der VDMA Landtechnik in den zurückliegenden zwei Jahren mit Nachdruck für den Ausbau der Digitalnetze über die urbanen Ballungsgebiete hinaus stark gemacht. Auf fachlicher Ebene begleitet der 2017 gegründete VDMA-Arbeitskreis Digitalisierung, dem die führenden europäischen Landmaschinen- und Traktorenhersteller angehören, die für das Digital Farming essentiellen Ausbauziele.

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