VDMA-Regionalgruppe Europa diskutiert über Auswirkungen des Brexit

VDMA

Großbritanniens Austritt aus der EU ist für den 29. März 2019 vorgesehen. Die Austrittsverhandlungen laufen seit Juni, Handelsgespräche werden jedoch frühestens im nächsten Frühjahr beginnen.

Denn für die EU-Kommission sind Durchbrüche in anderen Politikfeldern eine unverzichtbare Vorbedingung. Fragen zu finanziellen Verpflichtungen der Briten, zur Zukunft von EU-Bürgern in Großbritannien sowie zur Grenzsituation zwischen Nordirland und Irland stehen dabei im Mittelpunkt.

Aufgrund der großen Relevanz des britischen Marktes erörterte die VDMA-Regionalgruppe Europa am 26. September mögliche Auswirkungen des Brexit auf Landwirtschaft und Industrie.

Stephan Howarth von der britischen Agricultural Engineers Association (AEA) erläuterte, wie die britischen Hersteller dem Brexit gegenüberstehen. So gehe fast jeder Zweite davon aus, dass der Brexit am ehesten einen negativen Einfluss auf die Branche haben werde. Mit einem positiven Einfluss rechne lediglich jeder fünfte Befragte. Der Rest sei noch unentschlossen. Dabei halten es nahezu alle für essentiell, welche Entscheidung bei den Gesprächen über landwirtschaftliche Subventionen, Importzölle auf Maschinen und Teile sowie Handelszölle auf Nahrungsmittel getroffen wird, so der Experte.

Beim Export zahlreicher britischer Nahrungsmittel ist die EU mit einem Anteil von über 90 Prozent der wichtigste Abnehmer, so etwa bei Raps, Sojabohnen, Lamm- und Rindfleisch. Umgekehrt hat die EU auch bei vielen britischen Nahrungsmittel-Importen einen Anteil von über 90 Prozent, beispielsweise bei Milchprodukten oder Geflügel. Würden für Großbritannien irgendwann die regulären Einfuhrzölle der EU gelten, so wären bei Milch 74 Prozent zu veranschlagen, bei Rindfleisch 65 Prozent, bei Weizen und Gerste 53 Prozent. Das hätte zur Folge, dass die britischen Exporte in vielen Bereichen einbrechen. Auf der anderen Seite kann aber auch der Wegfall von günstigen Importen aus der EU bewirken, dass die heimische Produktion in anderen Bereichen gestärkt wird. Für Importe von Landtechnik erhebt die EU übrigens – abhängig von der Produktgruppe – entweder gar keine oder nur geringe Zölle.

Entscheidend für die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe ist auch die Subventionspolitik. Aktuell profitieren die britischen Landwirte indirekt vom Brexit, da das britische Pfund seit letztem Jahr beträchtlich an Wert verloren hat. Für die britischen Subventionsempfänger wirkt sich das positiv aus, da sie einen höheren Betrag aus Brüssel erhalten. Bis zum Jahr 2022 möchte die britische Regierung das aktuelle Subventionsniveau aufrechterhalten. Danach sind Kürzungen nicht unwahrscheinlich. Direktzahlungen erhalten dann möglicherweise nur noch Landwirte in benachteiligten Gebieten sowie kleine Betriebe. Allerdings könnte es aktuellen Diskussionen zufolge wiederum mehr Unterstützung zur Schadensverhütung seitens der britischen Regierung geben.

Für die britischen Landwirte wird letztlich auch von zentraler Bedeutung sein, ob und unter welchen Bedingungen sie noch EU-Bürger als landwirtschaftliche Arbeitskräfte anstellen können. Gerade Saison-Arbeit wird fast ausschließlich von Ausländern übernommen. Falls es hier zu einer klaren Entscheidung gegen Arbeitskräfte aus der EU kommt, wird vermutlich noch stärker auf Automatisierung gesetzt. So kann jedoch auch nur ein begrenzter Teil der Arbeit ersetzt werden. Um die verbleibenden Stellen für einheimische Arbeitskräfte attraktiver zu machen, müssten die Gehälter erhöht werden, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte schwächen würde.